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April 2019
Interview: Oliver Reif von N51E12

Wie kommt man vom Grafiker zum Möbelbauer?

Das ist bei mir ein recht komplexes Thema. Nach meiner Ausbildung zum Grafikdesigner habe ich viel in Stuttgart gearbeitet, unter anderem für Mercedes Benz. Das sollte nicht das Ende der Fahnenstange sein. Ich wollte nicht nur als Grafiker im Büro sitzen, sondern auch andere, eigene Projekte umsetzen. Eines der ersten Projekte habe ich mit meinem Bruder 2011-2012 verwirklicht und den Schritt in Richtung Gastronomie gewagt. Wir haben Anhänger gekauft, welche wir komplett restauriert und als Barwagen vermietet haben. Das lief zwei Jahre recht erfolgreich. Wir mussten allerdings auch feststellen, dass die Gastronomie dahingehend schon nicht ganz ohne ist. Um in dem Beruf alt zu werden, muss man schon geborener Gastronom sein. Die Barwagen gibt es immer noch. Ich spiele schon seit längerem mit dem Gedanken, einen auf das Dach unseres Boutique-Hotels zu stellen. Als Alternative zu unseren Roof-Tops oder zum privaten Anmieten. Mit der Vermietung von den ersten eingerichteten Apartments ging es übrigens nach unserer Gastro-Erfahrung weiter. In Frankfurt am Main haben wir Wohnungen angemietet, diese umgebaut und mit Ikea-Möbeln ausgestattet…

Daher die Idee zum eigenen Möbelbau? Weil Ikea doch irgendwie nicht so das Richtige ist?

Richtig! Irgendwann haben wir bei den Umbauten eine gewisse Abneigung gegen Ikea-Möbel, ihr Aussehen und ihre Nachhaltigkeit entwickelt. Es gibt bei den Möbeln zu viele Schwachstellen und von Langlebigkeit ist Ikea noch weit entfernt. Aber gerade das sind Eigenschaften, die in einem Apartment mit wechselnden Gästen unabdingbar sind. Durch unsere selbst umgebauten Bauwagen hatten wir uns das handwerkliche Geschick angeeignet, was uns bei den Möbeln wiederum zu Gute kam. 

Green Residence by Tobias Zoll

Du legst Wert auf Nachhaltigkeit?

Ja, als wir die ersten Apartments mit eigenen Möbeln ausgestattet haben, war der Name relativ schnell klar: Green-Residence. Hier befinden wir uns gerade. Das sind unsere Apartments für Kurzzeitgäste. Hier haben wir uns das erste Mal wirklich Gedanken über die Möbel gemacht. Zusammen mit der Erfahrung, die wir nun durch den Umbau der Barwagen und Anhänger schon gemacht hatten und das Know-How aus den Vermietungen der Apartments gingen wir unser neues Projekt an. Die Idee war, die Betten zum Beispiel robuster zu machen. Einfache Formen gepaart mit Holz. Die Betten entstanden für eine Green- Residence in Offenbach und dann für Leipzig.  Zu der Zeit war der Gedanke eines eigenen Möbel-Labels noch sehr weit weg. Es ging tatsächlich vorerst nur um das Ausstatten unserer neuen Apartments. Mit der Zeit waren es nicht mehr nur Betten, hinzu kamen angefertigte Tische, individuelle Küchen, Schränke, eben alles was man zum Einrichten benötigt. Das kam bei den Gästen so gut an, dass wir gesagt haben, wir haben das Netzwerk wie Schlosser, Tischler und Zulieferer, wenn die Möbel so gut ankommen, machen wir halt eine Marke draus. 

Wie ging es dann weiter? Was war euer erstes verkauftes Möbelstück?

Es war ein Bett. Kurioserweise haben wir uns anfangs etwas auf die Betten fokusiert, da hierfür schnell die ersten Anfragen kamen. Ein Tisch ist immer schnell gekauft und ausgetauscht. Ein Bett hingegen ist etwas Langfristigeres. Unsere Möbel haben einen gewissen Stil, der gut ankam. Damals haben wir mit einem robusten Bauhausstil begonnen, sehr industriell. 

Bauhaus, eine Inspirationsquelle für dich?

Absolut! Ich bin in der Nähe vom Bauhaus großgeworden. Die Kombination aus der Moderne und der Natur bei Dessau ist sehr interessant für mich. Ich war viel in der Natur und habe sie schon früh in meiner Kindheit schätzen gelernt. Daher vielleicht auch mein Bezug zur Nachhaltigkeit. Zudem finde ich den Bauhaus-Gedanken bis heute richtig: Es muss einfach und funktionell sein, nicht groß verspielt. Wir sind zwar keine „Bauhaus-Designer“, aber wir haben unseren Bezug und auch unsere Produktionsstätte hier, also ist es doch nicht verkehrt, den Gedanken weiterzuspinnen. 

Spielt hier Regionalität eine Rolle für euch?

Ja! Das findest du sogar in unserem Logo wieder: N51E12 sind eigentlich die Bauhauskoordinaten. Damit wollen wir sagen, dass wir „made in Germany“ großschreiben und nicht wie die Masse im Ausland produzieren, sondern wirklich qualitativ und auch regional produzieren. Das bedeutet, dass der Stahl regional eingekauft wird, die Pulverbeschichtung kommt zum Beispiel aus der Nähe, Tischlerei, Sattler, alles regionale Unternehmen, zu denen wir nun langjährige Beziehungen pflegen. 

Gab es bei eurer Gründung Hilfe?

Wir versuchen recht unabhängig zu sein und möglichst alles ohne Kredite aufzubauen. Das Binden an Banken ist nicht so meins. Ebenso möchten wir unsere Patente nicht teilen oder die Philosophie des Unternehmens aus der Hand geben.  Geld kann das, was man als Unternehmen aufbaut, häufig gar nicht wiedergeben, da steckt vielmehr dahinter. Gerade bei Aufbaubanken hast du oft Bedingungen, die mit dem Geld in Verbindung stehen. Zum Beispiel Investitionen in neue Maschinen die das Fünffache von dem kosten, was gebrauchte kosten, die das gleiche leisten. Statt finanzieller Abhängigkeit sollte man immer zuerst Alternativen suchen.

Wir befinden uns in eurem Boutique-Hotel Green-Residence Design Loft Leipzig. Wie lange gibt es euch hier schon? Es riecht alles noch so neu…

Laufen tut es schon seit ca. einem Jahr. Aber du hast Recht, Gäste sagen auch immer wieder: „Wow, das ist ja alles noch so frisch und riecht noch so neu“. So soll es auch aussehen. Das ist unser Standard und Anspruch. Wir sind allerdings noch lange nicht fertig. Unser Boutique – Hotel wird immer einem Wandel unterliegen. Wir tauschen ständig etwas aus, arbeiten mit anderen Marken zusammen wie Lampenherstellern, bis hin zu Shampoos. Diese Kooperationen wollen wir im Wandel halten. Genauso verhält es sich mit den Möbeln von N51E12. Unser Boutique – Hotel versteht sich auch als Showroom, weshalb hier unsere Produkte immer aktuell sind. So kann der Gast oder Kunde sich viel intensiver mit unseren Produkten beschäftigen, sie ausprobieren und sich ein Urteil bilden, bevor er kauft. 

Green Residence by Tobias Zoll

Gerade bei Betten ist das natürlich eine super Idee…

(lacht) es soll hier natürlich nicht auf Robustheit getestet werden, bis die Latten brechen. Wobei die Betten auch das aushalten würden. Wir arbeiten hauptsächlich mit Massivholz, nachdem wir einiges an Holzsorten durchprobiert haben. Gerade unsere Betten sind sehr beständig und können Generationen überdauern. Unser Kredo sowohl bei unseren Betten, als auch bei unseren anderen Möbelstücken ist natürlich, wenn wir schon was Handgefertigtes bauen, soll es auch dementsprechend lange halten. Ob der Stil in hundert Jahren natürlich noch passt sei dahingestellt, auch wenn unsere Möbel sehr zeitlos sind. 

In der Mode gibt es gerade die Wende weg von Fast-Fashion, hin zu Authentizität und Nachhaltigkeit. Gilt das auch für die Möbelwelt?

Definitiv! Wir arbeiten zum Beispiel auch mit dem Modelabel Lovejoy zusammen. Auch hier wird Nachhaltigkeit großgeschrieben, so können wir uns austauschen und ergänzen. Wir waren bereits auf verschiedenen Messen zusammen und haben festgestellt, dass wir eine sehr gleiche, bewusste Zielgruppe haben. Selbst Ikea stellt mittlerweile sein Sortiment um. 

Was sind deine nächsten Ziele und Projekte? Wie gehts weiter?

Das Unternehmen soll gesund wachsen. Auch nach 5 Jahren muss ich sagen, dass ich uns noch recht am Anfang sehe. Wir werden das Thema Inneneinrichtung ganz klar ausbauen und fokussieren. Wir werden weitere Green-Residence eröffnen. Hamburg, Berlin, München und Stuttgart sind gerade Städte, in denen wir Gespräche führen. Unser Konzept ist nicht in Stein gemeißelt, es soll wachsen und sich dabei verändern.

N51E12 – DESIGN AND MANUFACTURE
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