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Februar 2023
Titus Schade - Leipziger Maler von eigentümlichen und mystischen Bildwelten
Portrait von Titus Schade - Copyright Jan-Henrik Zimmer

Der gebürtige Leipziger ist schon seit geraumer Zeit für seinen grafisch-geometrisch-kühlen Malstil und die Abbildung von Fachwerkhäusern, Mondlichtern und Windmühlen bekannt. Seine Werke sind düster, surreal und wirken auf unheimliche Weise elektrisierend auf den Betrachter. Im Interview spricht Titus Schade mit uns über seinen Werdegang als Maler, die Zeit als Meisterschüler bei Neo Rauch, den Entstehungsprozess hinter seinen Bildern und die Arbeit in seinem Atelier auf dem Spinnerei-Gelände sowie bei der Galerie EIGEN + ART.

Jan

Lass uns doch damit anfangen, dass du gerade auf deine Ausstellung, die am 22. April eröffnet wird, hinarbeitest. Wie sieht dein Atelieralltag aktuell aus?

Titus Schade

Ganz allgemein gesagt, kann man sich die Arbeitszeiten so vorstellen, wie bei jemandem, der von Montag bis Freitag ins Büro geht und dort seine Arbeit verrichtet. Nur ganz selten gehe ich samstags auf die Spinnerei, weil mir das Wochenende sehr wichtig ist, um den Abstand zur eigenen Arbeit zu wahren und neue Kraft zu schöpfen. In der ersten Hälfte des Tages kümmere ich mich meist um Organisatorisches, um mich dann in der zweiten Tageshälfte gänzlich auf die Malerei konzentrieren zu können. Die wichtigsten Stunden für meine Arbeit kommen erst spät am Tage - am Abend bzw. in der Nacht, wenn es draußen dunkel wird und Ruhe einkehrt auf diesem Erdteil und ich mich in meine Welt vertiefen kann, ohne dass mich Störquellen von außen tangieren.

Zudem ist es mir wichtig bei meiner Arbeit zu wissen, dass absolute „Termin-Freiheit“ herrscht – ansonsten ist man in der Malerei gehemmt und unkonzentriert… es muss theoretisch immer auf ein offenes Ende hinauslaufen können. Die Bilder sind irgendwie so angelegt, dass man nicht weg kann, falls mal etwas schief gehen sollte. Zumindest versuche ich immer am Ende des Arbeitstages zu einem Abschluss einer Etappe zu kommen. Man kann sich das Verhältnis in etwa so vorstellen, wie bei einem Chirurgen zu seinen Patienten im OP. Die Freiheit bis tief in die Nacht zu arbeiten, ist mir sehr wichtig… manchmal treibt einen die Arbeit bis in die ersten Morgenstunden z.B. bis früh um 5 Uhr.

Jan

Wie sieht deine Arbeitsatmosphäre aus, wenn du dich bis 5 Uhr deinen Bildern hingibst? Hörst du dabei zum Beispiel Musik?

Titus Schade

Früher habe ich sehr viel Musik während des Malens gehört. Vor allem an der Hochschule war das Nick Cave, Element of Crime oder so etwas. Später im eigenen Atelier merkte ich, dass egal wie gut ein Album oder eine Playlist auch ist, die Musik nicht immer zu der Stelle im Bild passt, an der gerade gemalt wird. Ich bemerkte, dass sich Nachrichtenradio wie z.B. MDR Aktuell viel besser für einen relativ ausgeglichenen atmosphärischen Hintergrund eignet. Es wiederholen sich die Dinge zwar, aber es werden ja nicht nur Nachrichten, sondern auch Reportagen oder Podcasts gesendet. Zumindest ist man immer up-to-date und könnte in jeder politischen Debatte mithalten, wenn man das möchte. (lacht) Seit ungefähr 13 Jahren praktiziere ich das jetzt so mit dem täglichen Info Radio. Es stellt sich beim Arbeiten so eine Art trance-ähnlicher Zustand ein, welcher der Malerei und schlussendlich den Bildern gut tut.

Jan

Du bist jetzt seit 10 Jahren auf dem Spinnerei-Gelände. Ist das dein erstes eigenes Atelier?

Titus Schade

Nein. Nach dem Studium konnte ich den sehr „kompakten“ Arbeitsraum eines Kollegen in der Erich-Zeigner-Allee in einem Atelierhaus übernehmen. Mit dem Diplom muss man die Hochschule logischerweise verlassen. Zuvor hatte ich das große Glück mir mit zwei geschätzten Kollegen (Claus Georg Stabe und Sebastian Speckmann) ein großes Atelier unter dem Dach der Hochschule teilen zu können. Ich erinnere mich an eine sehr prägende und angenehme Zeit, mit einer guten Arbeitsatmosphäre.

Jan

Du warst Meisterschüler bei Neo Rauch und hast deinen Abschluss an der HGB gemacht?

Titus Schade

Ab dem Jahr 2004 habe ich an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert und 2009 mein Diplom bei Neo Rauch gemacht. Das Studium begann mit dem zweijährigen Grundstudium, welches vorwiegend aus Modellzeichnen, Aktzeichnen und dem anatomischen Zeichnen besteht. Zudem hat man u.a. Kurse in druckgrafischen Werkstätten wie Lithografie, Holzschnitt, Siebdruck und Radierung – aber auch interdisziplinäre Kurse aus dem Bereichen Film, Neue Medien, Fotografie oder Buchkunst/Grafikdesign. Das Grundstudium schließt man mit dem Vordiplom ab und bewirbt sich dann mit der Verteidigungsprüfung bei einem Professor oder einer Professorin einer Fachklasse. In meinem Fall war das die Fachklasse von Neo Rauch, der mich dann zum Diplom geführt hat. Wenn man ein sehr gutes Diplom gemacht hatte, konnte man sich anschließend für ein zweijähriges Meisterschülerstudium bewerben. Dies ist ein bisschen mit einer Dissertation zu vergleichen - nur eben auf einer praktischen Ebene. In der Meisterklasse waren wir auch nur zu fünft und die Zusammenarbeit mit dem Professor war zu jener Zeit sehr intensiv.

Jan

Du kommst aus einer Künstlerfamilie. Würdest du sagen, dir wurde die Kreativität schon mit in die Wiege gelegt?

Titus Schade

Mein Vater ist Maler und Grafiker. Er hat auch an der HGB studiert und war viele Jahre Professor in Halle an der Burg Giebichenstein. Meine Mutter fotografiert seit den 1970er Jahren. Ich bin gewissermaßen mit der Leipziger Kunstszene, der Hochschule und den Bildern der „Alten Leipziger Schule“ aufgewachsen. Ich wurde natürlich nie gezwungen mich mit Kunst auseinanderzusetzen…(lacht) Der Wunsch Malerei wirklich zu studieren hat sich aber auch erst gegen Ende der Abiturzeit herausgebildet.

Kunst zu studieren birgt ja auch ein gewisses Risiko, weil man nicht gleich weiß, wo die Reise hingeht. Durch mein Elternhaus wurde ich natürlich bestärkt diesen Weg einzuschlagen. Nach zwei kleinen Umwegen war ich mir aber sicher, dass es nur die Malerei sein kann und es kein Zurück geben soll und kann. Am Bauhaus Dessau habe ich mich für Design beworben und musste nach bestandener Prüfung trotzdem auf eine Warteliste. In dieser Zeit hab ich mich dann für Architektur eingetragen und dies ein Semester studiert. Ich erzähle das bloß immer nicht so gerne, weil dann immer gleich gesagt wird: „Ach deswegen die Architektur in den Bildern.“ Aber die war schon vorher da!

Schon während des Studiums an der HGB habe ich gemerkt, dass das freie Arbeiten und mein eigener Chef sein zu können, genau das ist, was ich immer wollte. In der Malerei kann man auf der Leinwand seine eigene Welt kreieren.

Durch Nebenjobs z.B. in der Gastronomie während meiner Studienzeit weiß ich zudem, wie lange man bei einem einstigen Stundenlohn von 7 Euro für etwa 400 Euro arbeiten musste. Ich glaube dieser Punkt ist nicht unwichtig, da er zu einer gewissen Erdung führt.

Wenn heute ein Bild für einen bestimmten Preis verkauft wird, weiß man, wie lang der Weg dahin war, was für einen selbst dahintersteckt, nämlich die Bilder, die bis dahin gemalt wurden und wahrscheinlich auch diejenigen, die noch gemalt werden.

Jan

Würdest du sagen, dass es notwendig ist, eine gewisse Kreativität mitzubringen, wenn man Kunst studieren will oder kann man sich diese auch aneignen?

Titus Schade

Also ich denke, dass man sich Kreativität bis zu einem gewissem Maße aneignen kann – beziehungsweise sich zu ihr konditionieren kann, wenn man geistig offen ist und sich Zeit für die Dinge nimmt. Es ist schwer einzuschätzen, auch die Frage nach dem Talent. Ich denke, dass jemand, der eine Bestimmte Sache unbedingt will und um sie kämpft und dabei vielleicht nicht so viel Talent hat, am Ende vielleicht sogar die bessere Arbeit macht als jemand mit zu viel Talent. Wenn man eben nicht schon dieses Perfekte mitbringt, muss man sich die Sachen erarbeiten und aus einer solchen Imperfektion entsteht dann oft etwas vollkommen Neues. Neues, Interessantes und Einprägsames entsteht also gerade auch durch Defizite.

Jan

Könntest du deinen eigenen Stil noch mal so richtig durchbrechen?

Titus Schade

Das ist eine interessante Frage. Ich schließe das natürlich nicht aus. Oft sind ja Spätwerke von Brüchen geprägt. Die Malerei ist ein sehr langsames Medium, welches sich unserer schnelllebigen Zeit entzieht und sich dabei auch in ihrer Herstellung dem entziehen sollte. Ich denke in meiner Arbeit werden eher Dinge ergänzt. Es ist nicht so, dass sich etwas bricht oder ich starke Richtungswechsel vornehme. In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass ich immer wieder auf das zurückgreife, was ich bisher schon gemalt habe und diese Möglichkeiten weiter ausbaue. So entstehen immer neue Bilder einer in sich geschlossenen Welt. Das Neue ist häufig auch etwas, was ich schon länger mit mir herumtrage und im Hinterkopf hatte. Wie zum Beispiel das Thema der Fliesenbilder, die an Delfter Kacheln erinnern. Die Idee dazu hatte ich schon vor vielen Jahren, hab aber erst vor etwa drei Jahren damit angefangen sie umzusetzen.

Marie

Woher stammen deine Windmühlen, die häufig in deinen Bildern zu finden sind?

Titus Schade

Windmühlen male ich eigentlich auch schon eine ganze Weile. Aber die Art des malerischen Vortrags hat sich mehrfach verändert. Die Frage nach dem Warum ist auch immer wieder interessant, weil ich mir oft gar nicht so große Gedanken darum mache. Malerei kann das Nonverbalisierbare zum Ausdruck bringen, Dinge die man nicht in Worte fassen kann zu einem Bild werden lassen. Wenn ich all das immer erklären könnte, würde ich wahrscheinlich Bücher schreiben. Die Windmühle ist ein sehr einprägsames Gebäude. Da ist dieser mobile Teil des Windrades, an einer Immobilie befestigt ist. Sie kann also statisch und beweglich zugleich sein. Aus ikonografischer Sicht könnte die Windmühle auch als Verweis auf Rechtschaffenheit gelesen werden. In Verbindung mit einem Felsen, denkt man sofort an die alten Niederländer, an flämische Malerei, Breughel und so weiter… dies aber dann in einen zeitgenössischen Kontext gesetzt, auch bezüglich der oft grafischen Malweise, bildet einen Bruch im Bildkontext.

Zudem interessiert mich meistens auch einfach nur die geometrische Erscheinungsform von Gebäuden, wie zum Beispiel bei der Fachwerkarchitektur. Hier werde ich auch immer wieder gefragt: „Warum eigentlich Fachwerk. Ich finde es vor allem aus grafischer Sicht sehr spannend, wenn die innere Konstruktion des Gebäudes nach außen sichtbar ist. An solchen Sachverhalten kann man sich malerisch beziehungsweise grafisch abarbeiten.

In meiner Arbeit divergieren oft der Bildgegenstand und die dazu vom Betrachter oder der Betrachterin erwartete Malweise. Bei Fachwerkhäusern haben die Betrachtenden in Bezug auf den malerischen Vortrag oft eine romantische Erwartungshaltung, doch durch einen grafisch-geometrisch kühlen Malstil unterlaufe ich diese Erwartungen und sorge für Brüche innerhalb des Bildes.

Jan

Weißt du noch, wann du deine erste Windmühle gemalt hast? Gab es da einen ausschlaggebend Moment?

Titus Schade

In der Grundschule hatte ich einmal eine Windmühle aus Papier gebaut, die ich während meines Studiums so um 2006/2007 wiederfand und dann malte.

Jan

Woher kommt der Bezug zu den Niederlanden, der sich immer wieder bei dir finden lässt?

Titus Schade

Ich bin ein großer Verehrer der Malerei die dort zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entstanden ist. Ich mag das Land, die Architektur und die freundlichen und entspannten Menschen dort. Zudem haben sie eine stark ausgeprägte Museumskultur in den Niederlanden. Dort gib es den sogenannten Mondrian Fund, der unter anderem den privaten Ankauf von zeitgenössischer Kunst fördert. Amsterdam ist für mich eine sehr inspirierende Stadt mit ihren Kanälen, Grachten und Brücken.

Jan

Wo nimmst du sonst noch deine Inspiration her und was machst du in deiner atelierfreien Zeit, um dich zu regenerieren?

Titus Schade

Von Montag bis Freitag hier zu sein, bedeutet ja auch, dass so eine gewisse positive Anspannung und Konzentration herrscht. Mein malerischer Arbeitsprozess ist zwar relativ ergebnisoffen, aber man sieht, dass es klare Setzungen sind, die auf meinen Leinwänden stattfinden und diese entstehen aus einer gewissen Konzentration, die mir sehr wichtig in meinem Schaffen ist. Bei meiner Art von Malerei kann bis zum letzten Pinselstrich immer noch etwas schiefgehen und die gesamte Bildtektonik erschüttert werden.

Das Loslassen ist wiederum auch wichtig, weil ich glaube, ohne das Wochenende würde man zu sehr in seinem eigenen Saft schwimmen und hätte nicht diesen wichtigen Abstand zur eigenen Arbeit. Manchmal verlässt man freitags das Atelier mit einem Problem, das schier unlösbar scheint, das sich aber nach einem zweitägigen Rückzug am Montag oft relativ leicht lösen lässt. Ich mache am Wochenende gerne Ausflüge ins Umland. So sieht man zum Beispiel auch merkwürdige Architekturen, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Ich finde oft Dörfer und Kleinstädte sehr spannend von ihren räumlich architektonischen „Kompositionen“ her. Betrachtet man beispielsweise verwinkelte Gassen, steile Zufahrten und spitze Giebel. Man kann in der eigenen Arbeit, sei es Literatur, Musik oder wie in meinem Fall Malerei, von Dörfern sprechen, aber die ganze Welt meinen, das Kleine ist ja immer im Großen enthalten und umgekehrt. Mich faszinieren Kleinstädte oder Dörfer immer wieder aus kompositorischer oder bildgeometrischer Sicht.

Jan

Hast du einen starken Bezug zu deinen eigenen Bildern, besonders wenn du diese abgibst?

Titus Schade

Ja, das ist eine wichtige Frage. Ich hab natürlich einen starken Bezug, zu dem was ich in wochenlanger Arbeit herstelle. Am Ende kann man sagen, auch wenn es vielleicht sehr sentimental klingt, dass die Bilder ein wenig wie meine Kinder sind oder mindestens meine Gedanken. Ich hab einen gewissen Zeitraum mit ihnen verbracht und dann schickt man sie in die weite Welt.

Es passiert aber auch von Zeit zu Zeit, dass ich eine Arbeit behalte von der ich mich aus meinem subjektiven Empfinden nicht trennen kann. Aus diesen Beständen kann man aber auch schöpfen, wenn man eine spontane Ausstellungsanfrage erhält. Zuletzt war dies der Fall im Kunstraum Potsdam, den ich mit meinem Freund und Kollegen Andreas Mühe bespielt habe.

Jan

Hast du ein Lieblingsbild oder ein Bild, das dich sehr prägt?

Titus Schade

Ein prägendes Bild war unter anderem Nighthawks von Edward Hopper oder natürlich auch bestimmte Bilder des Barock wie zum Beispiel von Velázquez oder Caravaggio aber auch die Arbeiten Konrad Klaphecks. Beispielsweise sieht man vielleicht Bezüge zu den Genannten im Bild „Der Kiosk“. welches ich 2012 malte. Diese Arbeit diente 2017 zudem als Vorlage für ein Bühnenbild für das Stück „Wolken.Heim“ von Elfriede Jelinek am Schauspielhaus Leipzig unter Regie von Enrico Lübbe. Damals wurde mir bei der Entwicklung der Szenerie Marialena Lapata zur Seite gestellt, eine großartige griechische Bühnenbildnerin. Ein Jahr später wurde das Bühnenbild wunderbarerweise vom einstigen Direktor Alfred Weidinger im Rahmen meiner Ausstellung „Plateau“ im Museum der bildenden Künste gezeigt.

Jan

Wie stehst du selbst zur Kunst und zu dir als Künstler?

Titus Schade

Ich sehe mich selbst ja gar nicht als Künstler, sondern eher als Maler. Ich mag den Begriff Künstler nicht. Er erinnert mich immer an Zauberkünstler oder Hochseilartisten – das was ich mache, hat mit handwerklicher und geistiger Arbeit zu tun, da trifft es die Bezeichnung „Maler“ besser. Und ob man am Ende wirklich Kunst macht, das sollen sowieso immer andere beurteilen. Mit meinen Arbeiten liefere ich eine Bühne oder Kulisse, welche die Betrachtenden auf sich wirken lassen können, bestenfalls verlieren sie sich darin und werden selbst zu Handelnden. Ich besitze dabei keine Deutungshoheit der Szenerie oder liefere keinen Beipackzettel oder Erklärungsschreiben zu den arrangierten Situationen. Sondern die Betrachtenden können mit ihrem subjektiv geprägten Bildgedächtnis das Ganze für sich selbst deuten. Dabei können zwei unterschiedliche Personen ein und dasselbe Bild gleichzeitig betrachten, sehen aber unter Umständen trotzdem für sich jeweils ein vollkommen anderes.

Ich selbst erwische mich auch immer wieder, wie ich mir beim Betrachten von Malerei oft gar nicht so genau anschaue was gemalt wurde, sondern vielmehr wie etwas gemalt wurde. Das ist wahrscheinlich eine Berufskrankheit. Ansonsten versuche ich mir natürlich so viel wie möglich Ausstellungen anzuschauen, sowohl von zeitgenössischen Positionen als auch von den Vorgängern wie den alten Meistern...

Jan

Hast du Tipps oder Ratschläge für angehende Künstler*innen?

Titus Schade

Das wichtigste für einen jungen Künstler oder eine Künstlerin ist, dass man die Störgeräusche von außen ausblendet und auf sich selbst und die eigene Arbeit schaut und ihr auch in gewisser Weise verpflichtet ist. Zudem sollte man dabei aber auch nicht völlig beratungsresistent sein und gut gemeinten Rat oder Kritik maßvoll abwägen. Man sollte sich und seiner Arbeit treu bleiben. Und oft lohn es sich länger im Atelier zu bleiben als auf jeder Party der erste oder der letzte zu sein… (lacht)

Jan

Bist du in deiner Zeit viel mit Kritik konfrontiert worden? Wie gehst du damit um?

Titus Schade

Natürlich. Kritik bleibt in meinem Berufsfeld nicht aus. Ich versuche mit Kritik sachlich umzugehen. Selbstverständlich sollte sie immer konstruktiv sein… dann kann sie sich in Teilen auch sehr positiv auf die eigene Arbeit auswirken.

Jan

Du bist über all die Jahre in Leipzig geblieben. Was hält dich so sehr an der Stadt und fehlt dir noch etwas?

Titus Schade

Leipzig ist eine ideale Mischung aus Groß- und Kleinstadt und die Stadt entwickelt sich immer noch sehr stark. Ich bin hier geboren, aufgewachsen und habe den Wandel mitbekommen und fühle mich sehr verwurzelt. Zudem wüsste ich auch nicht, ob ich woanders so arbeiten könnte wie hier. Die Stadt hat eine sehr dichte Kunstszene mit der Hochschule, dem Museum, verschiedenen Kunsthallen, Kunstvereinen wie z.B. dem Verein „Leipziger Jahresausstellung“ und den Galerien. Die Spinnerei ist wie eine Stadt in der Stadt mit ihren zahlreichen Ateliers. Das Gelände existiert in seiner jetzigen Form mit dem Kunstbetrieb fast 20 Jahre und scheint dabei völlig abnutzungsresistent. Die Galerien sind unterschiedlich aufgestellt und es kommen immer wieder neue Einflüsse und Impulse von außen.

Es wäre natürlich wichtig für die Stadt wenn sich die Kunst- und Kulturszene immer weiter so gut entwickeln würde. Nährböden dafür sind natürlich günstige und ausreichende Atelier- und Ausstellungsflächen, die es sich zu entwickeln lohnen würde.

Jan

Vielen lieben Dank fürs Interview.

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